LETZTE BEARBEITUNG am: 23-Okt-04 um 10:22 Uhr (MESZ)
Liebe Katrin,
du hast schon so vieles geschrieben
- und Regina ebenfalls -
das mir aus der Seele spricht,
das ich genau so ausdrücken würde.
Mein Trauerweg...
Ein ganz langer Weg,
denn wir mussten
vor recht langer Zeit
- zwischen Dezember 1990 / Januar 1991 und Mai 1992 -
unsere drei ersten Kinder zu den Sternen gehen lassen.
Da mir von vielen Seiten die Trauer um unser *Sternchen* nicht zugestanden wurde,
hat sich nach unserem ersten Verlust
nach außen hin
noch nicht so viel verändert.
Aber nach dem Abschied von Christopher hat sich fast alles geändert.
Bis dahin
(bis zum Verlust unseres ersten Kindes *Sternchen*)
hatte ich ein glückliches Leben ohne nennenswerte schlimme Zwischenfälle.
Mir ging es gut.
Unsere Sternenkinder haben mich um 180 ° gedreht.
Ich habe meine Blickrichtung geändert.
Gucke nicht nur auf meine kleine Welt,
sondern über den Tellerrand hinaus.
Möchte helfen,
dass Eltern von Sternenkindern so betreut werden,
dass ihnen ein bestmöglicher Weg in einen "gesunden" Trauerverlauf ermöglicht wird.
Heilt die Zeit alle Wunden?
Die Wunden vernarben,
würde ich sagen.
Sie sind nicht mehr so stark sichtbar wie am Anfang.
Aber hin und wieder können Narben schmerzen.
Und sie sind nie "weg"
- wir tragen sie unser Leben lang.
Ich vergleiche Trauerarbeit immer mit einem Weg "bergauf".
Der kürzeste Weg ist nicht immer der "beste".
Oft sieht man nicht, wo einen der Weg hin führt.
Es kostet sehr viel Kraft,
diesen Weg zu gehen.
Manchmal geht es im Sonnenschein den Berg hinauf
und wir fühlen uns zuversichtlich,
die Spitze leicht, schnell
und ohne Komplikationen
zu erreichen.
Doch da gibt es Täler auf dem Weg...
Manche Täler sieht man von weitem.
Und dennoch, wenn man hineinfällt,
tut es furchtbar weh,
egal, wie lange man sich darauf vorbereiten konnte.
Wenn man sich überhaupt auf den Schmerz vorbereiten kann...
Andere Täler sieht man vorher gar nicht.
Es kann sehr schlimm sein,
wenn man auf einem
vermeintlich geraden
Weg bergauf
auf einmal in ein tiefes Tal fällt.
Man kann hin und wieder den Mut verlieren,
weil man denkt,
man kommt kein bisschen voran.
Man kann den Eindruck gewinnen,
dass es sich nicht lohnt,
aufwärts,
vorwärts
zu gehen,
weil es immer wieder Rückschritte gibt.
Manchmal,
wenn man in einem Tal steckt,
hat man das Gefühl,
dass man nie wieder hinaus kommt.
Wenn da nicht die helfenden Hände wären,
die sich einem entgegen strecken.
Wenn da nicht ein Netz gespannt wäre,
von dem man weiß,
dass es da ist
und einen auffangen wird.
Wenn da nicht erfahrene Bergwanderer wären,
die schon fast oben auf dem Berg angelangt sind
und wissen,
dass im Grunde jeder
den Berg hinauf kommt.
Manche langsamer, andere schneller,
manche schnurstracks, andere mit vielen Pausen,
um Kraft zu schöpfen.
Manche alleine, andere im Team.
Ob es jemals wieder gut wird?
Es geht mir heute viel besser als im Mai 1992.
Ich bin glücklich,
hier mit meiner Familie.
Unsere Sternenkinder spielen eine Rolle,
natürlich,
wenn auch meist indirekt:
Die *Muschel*-Seiten sind im Netz
und ich kümmere mich täglich viele Stunden darum.
Aber meine Trauer ist anders geworden,
ich habe es schon einmal geschrieben,
sie ist warm, nur ein bisschen sehnsuchtsvoll.
Unsere Sternenkinder waren und sind in unserem Leben,
ich frage nicht mehr nach dem "Warum?".
Sie waren da,
sie haben viel verändert,
und ich habe es angenommen,
dass mein Leben so verläuft,
wie es das nun einmal tut.
Unsere Sternenkinder haben mir gezeigt,
dass es keine Gewissheit gibt,
dass das Leben so verläuft,
wie man es plant.
Dass Dinge sich ändern
und dass man dankbar sein muss,
wenn man Glück erfährt.
Auch, dass man die glückliche Zeit genießen sollte,
ohne ständig zu grübeln,
was alles passieren könnte.
Ich bin unseren Sternenkindern dankbar,
dass sie da waren,
dass sie unser Leben bereichert haben,
um so viele Erfahrungen.
Durch unsere Sternenkinder habe ich Menschen kennen gelernt,
die mir sehr viel bedeuten.
Natürlich hätte ich mir nicht gewünscht,
dass ich diese Erfahrung,
Kinder zu verlieren,
mache.
Aber ich habe sie gemacht
und sie gehört zu meinem, zu unserem Leben.
Unsere Sternenkinder haben mir gezeigt,
dass Jörg und ich ein gutes Team sind,
wir haben gemeinsam für Christophers Beerdigung gekämpft.
Unsere Sternenkinder haben mich gelehrt,
dass es wichtig ist,
meinen, unseren (Trauer-)Weg zu gehen,
und nicht immer darüber nachzudenken,
was "die Leute" darüber denken.
*Sternchen*, Christopher und *Niklas* haben mich gelehrt,
selbstbewusster zu sein
und für Dinge einzustehen,
die mir wichtig sind.
Ich wollte noch etwas schreiben,
aber ich habe es vergessen.
Liebe, auch nachdenkliche Grüße von Conni
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