*muschel.net*-Forum für Eltern, die ihre Kinder zu den Sternen gehen lassen mussten...

Titel: "Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"     Vorheriger Beitrag | Nächster Beitrag
Druckversion     Beitrag empfehlen    
Foren-Gruppen Sternenkinder-Forum (*Muschel*-Forum) Beitrag Nr. 1516
Beitrag Nr. 1516
Katrin
Mit dabei seit 10-Okt-03
21-Okt-04, 12:14 Uhr (MEZ)
eMail senden Katrin Private Nachricht senden an Katrin User ProfilFreundesliste  
"Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
Ihr Lieben,

dies wird ein etwas anderes Posting, denn ich möchte mir
ein paar generelle Gedanken machen, wie meine Sternenkinder
mein Leben beeinflusst und auch verändert haben.

Es hat eigentlich weniger Bezug zu Dingen, die mich aktuell
beschäftigen, sondern diese Gedankengänge sind eher durch
euch in mir angeschoben worden, denn ohne eure Postings
zu Kinderwunsch und Folgeschwangerschaft würden diese
Aspekte zu Zeit eher gar keine Rolle in meinem Leben
spielen.

Ich hoffe, meine Gedanken werden nicht allzu °spinnert°
rüberkommen und ich würde mich sehr freuen, wenn vielleicht
die ein oder andere ihre Gedanken/Gefühle hier mit anhängen
würde *lächel+gespanntbin*.

Zentrale Punkte, die uns Eltern von Sternenkinder wohl immer
wieder einmal beschäftigen, sind die Fragen, ob

die Zeit alle Wunden heilt

und ob

es jemals wieder gut werden wird.

Für mich kann ich sagen, ja, es wird wieder gut, aber nicht
gut im Sinne von °so wie vorher°.
Niemals wieder werde ich so unbefangen, voller Vertrauen
in die Zukunft schauen können wie ich es vor meinen Sternchen
getan habe.

Und ja, die Wunden heilen, aber sie hinterlassen Spuren, die
mich haben anders werden lassen.

Bei meinem ersten Baloon-Flightning vor zwei Jahren traf mich
eine Erkenntnis wie ein Blitz.
Meine Kinder sind tot und sie werden auch immer tot bleiben.
Egal was in meinem Leben noch passieren wird, egal wie viele
Folgekinder ich haben werde.

Sie sind tot und nichts wird sich jemals daran ändern.

Sicher, so vom Kopf her war mir das auch schon vorher bewusst,
aber im Herzen ist es erst damals angekommen.

Ich habe den Tod meiner Sternchen gut in mein Leben integriert,
es tut nicht mehr brennend weh und wir sind eine glückliche
Familie, die sich rund anfühlt.
Mit den Jahren ist der Schmerz, dass bei uns Kinder fehlen, die
doch eigentlich mit am Tisch sitzen sollten, nicht mehr präsent.

Sicher, gerade Joris Zwillingstern *Linus* fehlt bei den
Meilensteinen von Joris sehr. Dann ist da auch wieder das
stechende Gefühl im Herzen, aber ansonsten fühlt sich
unsere Familie °gut° an.

Und doch

meine Kinder sind tot und werden es immer bleiben...

Und das hat große Auswirkungen auf mein tägliches Leben.
Ich muss nicht permanent trauern um das zu spüren.

Meine Kinder sind tot und das Leben hat mich damit gelehrt,
das Kinder sterben können.
Das Kinder jeden Tag sterben, auch hier mitten in Deutschland,
wo wir uns doch alle eigentlich aufgrund der medizinischen
Situation so sicher fühlen.

Kinder können sterben.
Meine Kinder könnten sterben.

Und auch wenn wirklich die allermeisten Kinder gesund und
ohne große Hürden zu erwachsenen Menschen werden, so gibt
mir doch nichts und niemand die Gewissheit, dass auch ich
das so mit meinen Kindern werde erleben dürfen.

Dieses Bewusstsein hat mich verändert und es verändert
sicher auch das Leben meiner Söhne, denn wo andere Mütter
voller Zutrauen in ihre Kinder und die Zukunft gelassen
bleiben, schrillen bei mir häufig die Alarmglocken.
Und da wo andere Mütter gelassen -mal wieder - mit ihren
Söhnen zum Verletzungnähen in irgendeine Notaufnahme fahren,
rattert für mich noch tagelang der Film ab .

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich daran auch nichts
ändern wird.
Die Erfahrung ein Kind zu verlieren lässt sich -leider- nicht
durch positive Ereignisse vollkommen überschreiben.
Meine Sternenkinder haben mir die Erkenntnis geschenkt wie
kostbar und zerbrechlich Leben und Glück sind, mir aber eben
auch die Bürde auferlegt, dies irgendwie konstruktiv in
mein Leben zu integrieren.

Denn meine drei Jungs ließen sich nur äusserst ungern von
mir so in Watte packen , wie ich es vielleicht gerne
täte.
Und selbst dann hätte ich ja immer noch keine 100%ige
Sicherheit.

Diese Erkenntnis aber hilft mir auch meine Gedanken und
Ängste so in mein Leben zu integrieren, dass ich nicht
permanent am Rande der Hysterie lebe .

Ja, und ich könnte wohl noch 10 mal folgeschwanger werden
und trotzdem wäre da nicht wieder dieses euphorische, zuversichtliche
Gefühl, dass ich in meiner allerersten Schwangerschaft hatte.
Dieser ganz besondere Zauber ist durch meine Sternenkinder
ein für alle Male gebrochen .

Und doch -und das zählt für mich viel mehr- haben sie mich
gelehrt, die Kleinigkeiten viel mehr wertzuschätzen, für
die schönen Momente mit meinen Kindern dankbar zu sein .

Meine Kinder sind tot und werden es auch immer bleiben.

Und wie sehr wünschte ich, diese Erfahrungen nicht gemacht
haben zu müssen. Doch sie haben unendlich viel in mir
bewegt für das ich dankbar bin.

Nachdenkliche Grüße
Katrin


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 

 
Foren-Gruppen | Beiträge | Vorheriger Beitrag | Nächster Beitrag
ReginaB
Mit dabei seit 17-Mar-04
21-Okt-04, 14:45 Uhr (MEZ)
eMail senden ReginaB Private Nachricht senden an ReginaB User ProfilFreundesliste  
1. "Liebe Katrin!"
 
 
   ....dein Posting hat mich tief berührt - denn ich habe das in Worte ausgedrückt gelesen, was ich selbst empfinde - und was oft nicht von meiner Umwelt verstanden wird.

Meine drei (so "frühen") Sternenkinder haben mein Leben beeinflusst, auch wenn es für viele Menschen nicht nachvollziehbar ist. Und nicht nur meine Sternenkinder, sondern auch eure Sternenkinder haben mein Leben beeinflusst - denn auch ihr seid nicht nur das anonyme "Ja-das-kann-passieren-und-es-ist-schrecklich-Gespenst", um das viele Menschen wissen, es aber dann schnell wieder zur Seite schieben können....

Nein - auch eure Sternenkinder zeigen mir - genau wie meine - täglich, wie wenig "selbstverständlich" es ist, morgens meine Kinder gesund aus ihren Betten holen zu dürfen, und abends wieder gesund ins Bett zu schicken.

Auch meine Zeit, die ich mit den Kindern verbringe ist mir "bewusster" geworden - aber auch meine Ängste, weil ich eben um die Zerbrechlichkeit dieses Glückes weiß.

Alles in allem lebe ich - hmmm - vielleicht ist "intensiver?" das richtige Wort. Das hört sich jetzt vielleicht alles so "trübsinnig" und "angsterfüllt" an - aber ich glaube das ist auch der Gedanke, den du hattest: es ist eben nicht so, dass auf Schritt und Tritt uns dunkle Schatten verfolgen - aber wir haben durchaus "Wissen um die Zerbrechlichkeit des Glücks" - das uns vielleicht manches Mal hilft, Glück anders und intensiver zu definieren....

Puuh - ist das zu verwirrend ausgedrückt?? Es fällt mir schwer, dies aufzuschreiben - weil so viele Aspekte mit hineinspielen und ich auch keinen verletzen möchte...aber letztendlich glaube ich, haben unsere Sternchen uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind - die es schaffen, anderen Trost und Beistand zu geben, sensibel miteinander umzugehen und trotz immer wiederkehrender Trauer das Leben positiv wahrzunehmen.....

liebe Grüße

Regina mit Lara, Jonas und Alina, drei *** im Herzen und dem Wichtelboy im Bauch


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
21-Okt-04, 15:04 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
2. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
Liebe Katrin,
liebe Regina,

was für ein schönes Posting...

Wie wichtig doch die Spuren sind,
die unsere Kleinsten in unserem Herzen und unserem Leben hinterlassen...

Ich finde dieses Posting wichtig,
ich setze mich später (oder morgen) in Ruhe an eine Antwort.

Liebe Grüße von Conni

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Silke77
Mit dabei seit 2-Sep-04
23-Okt-04, 19:59 Uhr (MEZ)
eMail senden Silke77 Private Nachricht senden an Silke77 User ProfilFreundesliste AOL IM  
5. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
   Liebe Kathrin.

Ich habe Deine Zeilen sehr gerne gelesen.
Auch wenn Muriel so früh gegangen ist, hat es viel hinterlassen. Ich bin sensibel für dieses Thema geworden und es hat mich auch noch behutsamer werden lassen, was mein Mitmenschen angeht. Und auch wenn ich häufig zu hören bekommen: Es war doch nichts und vergiss es endlich, so hat Muriel hier bei uns ein ich nenn es mal offizielles zu Hause. Es hat einen Platz.
Als ich nach Toms Geburt noch immer von Muriel sprach. wunderten sich meine Mitmenschen. Und von vielen wurde mein Stern dann akzeptiert. Sie erkannten die Ernsthaftigkeit.
Jetzt nach Toms Geburt habe ich mich noch weiter in das Thema gelesen auch was Todgeburten angeht.
Man lernt durch ein lebendes Kind und durch dieses Wunder der Geburt noch mehr zu schätzen und zu ehren wie es ist. Man bekommt eine ganz neue Perspektive was es bedeutet und die Trauer verändert sich wieder.
Ich wäre nie so sensibel geworden wenn es Muriel nicht gegeben hätte und ich Tom nicht hätte gebären dürfen. Beides hat mir die Augen geöffnet.


Liebe Grüße von Silke mit Tom *29.05.2003 an der Hand und Muriel (10SSW) im Herzen


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
23-Okt-04, 10:12 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
3. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
LETZTE BEARBEITUNG am: 23-Okt-04 um 10:22 Uhr (MESZ)


Liebe Katrin,

du hast schon so vieles geschrieben
- und Regina ebenfalls -
das mir aus der Seele spricht,
das ich genau so ausdrücken würde.


Mein Trauerweg...

Ein ganz langer Weg,
denn wir mussten
vor recht langer Zeit
- zwischen Dezember 1990 / Januar 1991 und Mai 1992 -
unsere drei ersten Kinder zu den Sternen gehen lassen.

Da mir von vielen Seiten die Trauer um unser *Sternchen* nicht zugestanden wurde,
hat sich nach unserem ersten Verlust
nach außen hin
noch nicht so viel verändert.

Aber nach dem Abschied von Christopher hat sich fast alles geändert.

Bis dahin
(bis zum Verlust unseres ersten Kindes *Sternchen*)
hatte ich ein glückliches Leben ohne nennenswerte schlimme Zwischenfälle.
Mir ging es gut.

Unsere Sternenkinder haben mich um 180 ° gedreht.

Ich habe meine Blickrichtung geändert.
Gucke nicht nur auf meine kleine Welt,
sondern über den Tellerrand hinaus.

Möchte helfen,
dass Eltern von Sternenkindern so betreut werden,
dass ihnen ein bestmöglicher Weg in einen "gesunden" Trauerverlauf ermöglicht wird.


Heilt die Zeit alle Wunden?

Die Wunden vernarben,
würde ich sagen.
Sie sind nicht mehr so stark sichtbar wie am Anfang.
Aber hin und wieder können Narben schmerzen.
Und sie sind nie "weg"
- wir tragen sie unser Leben lang.


Ich vergleiche Trauerarbeit immer mit einem Weg "bergauf".

Der kürzeste Weg ist nicht immer der "beste".
Oft sieht man nicht, wo einen der Weg hin führt.
Es kostet sehr viel Kraft,
diesen Weg zu gehen.

Manchmal geht es im Sonnenschein den Berg hinauf
und wir fühlen uns zuversichtlich,
die Spitze leicht, schnell
und ohne Komplikationen
zu erreichen.

Doch da gibt es Täler auf dem Weg...

Manche Täler sieht man von weitem.
Und dennoch, wenn man hineinfällt,
tut es furchtbar weh,
egal, wie lange man sich darauf vorbereiten konnte.
Wenn man sich überhaupt auf den Schmerz vorbereiten kann...

Andere Täler sieht man vorher gar nicht.
Es kann sehr schlimm sein,
wenn man auf einem
vermeintlich geraden
Weg bergauf
auf einmal in ein tiefes Tal fällt.

Man kann hin und wieder den Mut verlieren,
weil man denkt,
man kommt kein bisschen voran.

Man kann den Eindruck gewinnen,
dass es sich nicht lohnt,
aufwärts,
vorwärts
zu gehen,
weil es immer wieder Rückschritte gibt.

Manchmal,
wenn man in einem Tal steckt,
hat man das Gefühl,
dass man nie wieder hinaus kommt.

Wenn da nicht die helfenden Hände wären,
die sich einem entgegen strecken.

Wenn da nicht ein Netz gespannt wäre,
von dem man weiß,
dass es da ist
und einen auffangen wird.

Wenn da nicht erfahrene Bergwanderer wären,
die schon fast oben auf dem Berg angelangt sind
und wissen,
dass im Grunde jeder
den Berg hinauf kommt.

Manche langsamer, andere schneller,
manche schnurstracks, andere mit vielen Pausen,
um Kraft zu schöpfen.
Manche alleine, andere im Team.


Ob es jemals wieder gut wird?

Es geht mir heute viel besser als im Mai 1992.

Ich bin glücklich,
hier mit meiner Familie.

Unsere Sternenkinder spielen eine Rolle,
natürlich,
wenn auch meist indirekt:

Die *Muschel*-Seiten sind im Netz
und ich kümmere mich täglich viele Stunden darum.

Aber meine Trauer ist anders geworden,
ich habe es schon einmal geschrieben,
sie ist warm, nur ein bisschen sehnsuchtsvoll.

Unsere Sternenkinder waren und sind in unserem Leben,
ich frage nicht mehr nach dem "Warum?".

Sie waren da,
sie haben viel verändert,
und ich habe es angenommen,
dass mein Leben so verläuft,
wie es das nun einmal tut.

Unsere Sternenkinder haben mir gezeigt,
dass es keine Gewissheit gibt,
dass das Leben so verläuft,
wie man es plant.

Dass Dinge sich ändern
und dass man dankbar sein muss,
wenn man Glück erfährt.

Auch, dass man die glückliche Zeit genießen sollte,
ohne ständig zu grübeln,
was alles passieren könnte.

Ich bin unseren Sternenkindern dankbar,
dass sie da waren,
dass sie unser Leben bereichert haben,
um so viele Erfahrungen.

Durch unsere Sternenkinder habe ich Menschen kennen gelernt,
die mir sehr viel bedeuten.

Natürlich hätte ich mir nicht gewünscht,
dass ich diese Erfahrung,
Kinder zu verlieren,
mache.

Aber ich habe sie gemacht
und sie gehört zu meinem, zu unserem Leben.

Unsere Sternenkinder haben mir gezeigt,
dass Jörg und ich ein gutes Team sind,
wir haben gemeinsam für Christophers Beerdigung gekämpft.

Unsere Sternenkinder haben mich gelehrt,
dass es wichtig ist,
meinen, unseren (Trauer-)Weg zu gehen,
und nicht immer darüber nachzudenken,
was "die Leute" darüber denken.

*Sternchen*, Christopher und *Niklas* haben mich gelehrt,
selbstbewusster zu sein
und für Dinge einzustehen,
die mir wichtig sind.


Ich wollte noch etwas schreiben,
aber ich habe es vergessen.

Liebe, auch nachdenkliche Grüße von Conni

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
23-Okt-04, 12:42 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
4. "wichtig... - RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
Ihr Lieben,

das ist wichtig für uns alle,
daher:

*hochschubs*

Liebe Grüße von Conni

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
24-Okt-04, 10:25 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
6. "Folgeschwangerschaften, Folgekinder - RE: Gedanken zu Trauer..."
 
 
Ihr Lieben,

mir ist noch etwas durch den Kopf gegangen.


Ich habe immer gedacht,
wenn ich erst einmal ein Folgekind habe,
wird die nächste Schwangerschaft "wieder gut".

Rund eineinviertel Jahre nach der Geburt von Mathis,
unserem ersten Folgekind,
wurde ich
sehr erwünscht
wieder schwanger.

Und alle Ängste waren wieder da,
denn wieder hatte ich Blutungen
schon in der Frühschwangerschaft.

Dadurch habe ich erfahren,
dass die Ängste wohl nie vergehen.

Dass ich nie wieder so
"naiv", unbesorgt, unbeschwert und nur glücklich und zuversichtlich
schwanger sein würde,
wie in den ersten Wochen der Schwangerschaft mit *Sternchen*.

Ich habe es
in allen Schwangerschaften
gehasst,
wenn mir (von Bekannten) gesagt wurde
"Dieses Mal geht es gut, ich weiß es!".

Denn mir war
nach unseren Sternenkindern
schmerzlich bewusst,
dass niemand wissen kann,
ob eine gute Hoffnung ein glückliches Ende nimmt.

Und dass es Eltern gibt, die mehrere Sternenkinder haben.


Daher weiß ich auch,
dass eine lange Wartezeit
zwischen Verlust und erneuter Schwangerschaft nicht wirklich hilft,
weil die Ängste einfach so tief sitzen,
dass sie wohl nahezu unabdingbar zu einer Folgeschwangerschaft dazu gehören.


Und noch etwas:

Wir haben uns von Anfang an ein Leben mit Kindern vorgestellt.

Als wir nacheinander drei Kinder zu den Sternen gehen lassen mussten,
war dieser Kinderwunsch nicht weg.

Also haben wir es wieder und wieder versucht,
und nach fünf Schwangerschaften
gehen zwei unserer fünf Kinder
in diesem Leben ein Stück des Weges mit uns.

Sie nehmen den Schmerz nicht weg,
sie machen das Geschehene nicht ungeschehen.

Aber, natürlich,
sie verlangen und bekommen einen großen Teil unserer Aufmerksamkeit,
sie haben den Schmerz gelindert
und sie haben einen großen Teil unseres Lebenswunsches (nach einem Leben mit Kindern) erfüllt.

Versteht ihr, was ich meine?
Ich fürchte,
das ist ein bisschen wirr geschrieben.

Die Trauer wurde durch Mathis und Kaja nicht weniger,
aber sie hat sich verändert.


Das hatte ich im vorherigen Posting vergessen
und möchte es eben an den Schluss meines Postings stellen:


Unsere Sternenkinder haben mich gleichzeitig härter
und unendlich weich gemacht.

Sie haben mir gezeigt,
dass ich mit Verlusten leben kann,
weil ich damit leben muss,
wen ich nicht zerbrechen will.

Und ich will leben,
mit allen Facetten, die mein Leben bietet.
Ich will gerne leben,
nicht nur über-leben.


Liebe Grüße von Conni

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
SaraK
Charter Member
24-Okt-04, 10:33 Uhr (MEZ)
eMail senden SaraK Private Nachricht senden an SaraK Freundesliste  
7. "Liebe Conni!"
 
 
   Liebe Conni,

Wäre dieses Thema nicht auch wichtig für Deine *Muschel*-Seiten?
Viele Frauen denken, dass ein Folgekind alles heile macht - viele stellen an Schwangerschaft und Baby auch diese Aufgabe, die sie/es nicht erfüllen kann...wenn man das erkennt fällt man manchmal (wieder) in ein tiefes Loch.
Auch nach der Geburt des Folgebabys ist nicht alles gut. Grade Lennarts Dasein hat mir bewußt gemacht, was mir an Lukas fehlt

Vielleicht könnte man Hilfen in einer Folgeschwangerschaft aufzählen -auch vielleicht Hilfen bevor man eine Folgeschwangerschaft angeht...

Du weißt sicher, was ich meine
Deine Gedanken kann ich übrigens gut nachvollziehen und genauso unterschreiben...

Liebe Grüsse von
Sara


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
24-Okt-04, 16:55 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
9. "Hilfen/Folgeschwangerschaft - RE: Liebe Conni!"
 
 
>Wäre dieses Thema nicht auch wichtig für Deine
>*Muschel*-Seiten?
>
>Vielleicht könnte man Hilfen in einer Folgeschwangerschaft
>aufzählen -auch vielleicht Hilfen bevor man eine
>Folgeschwangerschaft angeht...


Liebe Sara,

ja, könnte man machen.

Ich überlege nur,
in welcher Form?

Liebe Grüße von Conni

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Silke77
Mit dabei seit 2-Sep-04
24-Okt-04, 14:07 Uhr (MEZ)
eMail senden Silke77 Private Nachricht senden an Silke77 User ProfilFreundesliste AOL IM  
8. "@conni"
 
 
   Liebe Conni.

Du hast es wunderschön geschrieben und mit jedem Wort kann ich Dir recht geben.

Liebe Grüße von Silke mit Tom *29.05.2003 an der Hand und Muriel (10SSW) im Herzen


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Katrin
Mit dabei seit 10-Okt-03
08-Nov-04, 12:16 Uhr (MEZ)
eMail senden Katrin Private Nachricht senden an Katrin User ProfilFreundesliste  
13. "Ihr Lieben,"
 
 
ich danke euch sehr für eure Gedanken und
Anmerkungen.

Leider bin ich momentan nicht in der Lage
angemessen zu antworten; die Gedanken
kreisen noch zu sehr.

Aber ich möchte, dass ihr auf jeden Fall
wisst, dass ich eure Beiträge mit großem
Interesse gelesen habe.

Es tut mir leid, dass ich nicht eher schon
ein feedback gegeben habe. Ich weiss, sowas
ist immer ein bisschen sehr blöd *seufz*.

Ich grüß euch ganz lieb,
Katrin


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
27-Feb-05, 11:59 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
15. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
*nachlangerzeitmalwiederhochschubs*

Vielleicht mag sich jemand
mit seinen Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg
an dieses Posting hängen?

Liebe Grüße von Conni

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Silke77
Mit dabei seit 2-Sep-04
27-Feb-05, 14:03 Uhr (MEZ)
eMail senden Silke77 Private Nachricht senden an Silke77 User ProfilFreundesliste AOL IM  
16. "Ich könnte bei Zeiten mal...."
 
 
   von meinem Seminar berichten, wo es um die Erschließung der Trauerwege ging.


Liebe Grüße von Silke mit Tom *29.05.2003 an der Hand und Muriel (10SSW) im Herzen


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Katrin
Mit dabei seit 10-Okt-03
31-Aug-05, 09:42 Uhr (MEZ)
eMail senden Katrin Private Nachricht senden an Katrin User ProfilFreundesliste  
17. "weil es zur Zeit so stimmig ist..."
 
 
...


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
21-Feb-06, 17:18 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
18. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
*hochschubs*

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
AnjaIrmchen
Charter Member
23-Feb-06, 12:30 Uhr (MEZ)
eMail senden AnjaIrmchen Private Nachricht senden an AnjaIrmchen Freundesliste  
19. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
   Liebe Katrin!

Ich war lange nicht hier, aus verschiedenen Gründen.
Dein Posting hat mich zu Tränen gerührt.
Weil es genau den Nagel auf den Kopf trifft!!!!
Und genau die gleichen Gedanken kreisen auch in meinem Kopf!
Nur ich bin ein Typ, der sie niemals aussprechen wird. Denn durch den Verlust meines Kindes habe ich mich leider zum negativen verändert.
Vorallem bin ich ein großer Verdrängungskünstler und auch der werde ich immer bleiben. Ich kann es einfach nicht abstellen, auch nicht mit Antidepressiva!
Ich danke Dir für diese tolle Posting!
Es hat mir die Augen wieder ein bißchen geöffnet und gezeigt das ich wieder einmal nicht alleine bin!!

Liebe Grüße


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
ReginaB
Mit dabei seit 17-Mar-04
24-Feb-06, 12:44 Uhr (MEZ)
eMail senden ReginaB Private Nachricht senden an ReginaB User ProfilFreundesliste  
20. "immer wieder ein wertvolles Posting....."
 
 
   Liebe Katrin,

dein Posting gehört zu meinen "Lieblingspostings" hier im Forum.... .

Möchte dich gerne nochmal dafür "knuddeln" - immer wieder einmal, wenn ich mir dein Posting und die Antworten durchlese, finde ich darin Wahrheiten und Antworten die für mich "wichtig" und "richtig" sind.

Antworten und Gedanken sie sich einfach "richtig" anfühlen...

Danke nochmal, für dieses Posting und deine Gedanken und Gefühle....

Liebe Grüße

Regina


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
18-Okt-06, 10:14 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
21. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
*hochschieb*

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Jutta
Mit dabei seit 8-Dez-03
18-Okt-06, 16:21 Uhr (MEZ)
eMail senden Jutta Private Nachricht senden an Jutta User ProfilFreundesliste  
22. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
   Liebe Katrin,

deine Gedanken haben mich schier umgehauen, weil sie mir wieder bewußt gemacht haben, wie ähnlich wir doch alle fühlen.

Unser Erfahrungen prägen uns und verändern uns nachhaltig.
Ich fühlte ganz ähnlich wie du.

Meine Trauer und mein Schmerz haben sich verändert. Sie sind immer präsent, aber eher unter der Oberfläche und nicht mehr so akut und unmittelbar wie am Anfang. Aber sie sind immer da, jederzeit bereit aufzubrechen.
Anfangs habe ich geglaubt, die Welt sollte aufhören, sich zu drehen. Es war so ein großes tiefes schwarzes Loch und ich wußte nicht, wie ich wieder herauskommen sollte. Ich wollte es anfangs auch gar nicht. Ich wollte trauern, ausschließlich.

Dann haben mich der Alltag und auch meine Mädchen aus dem Tief herausgeholt. Die Erde blieb eben nicht stehen, sondern drehte sich weiter.
Aber meine Unbefangenheit, das unbedingte Gottvertrauen ist gewichen. Auf einmal wurde mir bewußt, wie zerbrechlich das Glück auch in meiner Familie ist. Ich habe seither auch Verlustängste, bin übervorsorglich gegenüber meinen lebenden Kindern. So fliege ich z.B. seither unglaublich ungerne, weil ich Angst habe, dass etwas passieren könnte, meinen Kindern passieren könnte. Es kommt mir vor, als wären die Zweifel ins Paradies eingezogen.

Die erhoffte Folgeschwangerschaft kam endlich und mein süßer Rafael wurde geboren. Glaubte ich anfangs mal, damit wäre alles wieder wie zuvor, weiß ich nun, dass das nie wieder so sein wird. Nichts wird jemals wieder so sein wie früher. Die Schwangerschaft war von Zweifeln und Ängsten überschattet und Rafael konnte auch niemals seinen verlorenen Bruder ersetzten. Er ist ein anderes Kind, mein zweiter Sohn. Laurenz fehlt mir noch immer sehr. In meinem Herzen bleibt immer ein Platz für ihn, der auch durch Rafael nicht geschlossen werden konnte. Meine Sehnsucht nach dem einen Kind, dass ich nicht in meinem Armen halten kann ist geblieben. Leiser zwar und nicht mehr so vordergründig, aber immer präsent. Laurenz fehlt mir sehr. Auch nach drei Jahren. Immer wieder taucht die Frage nach dem WARUM auf oder ich frage mich, wie er heute wohl sein würde. Er wäre jetzt schon fast 3 Jahre alt. Wie wäre er gewesen? Wie würde er aussehen?

Auch wir sind eine glückliche Familie. Ich bin mit meinen Kindern Milena (17.3.1997), Stephanie (5.6.2000) und Rafael (5.2.2005) zufrieden. Meine Familie fühlt sich gut und komplett an. Aber....Laurenz fehlt.Oft frage ich mich, wie es wäre, wenn wir zwei Mädchen und zwei Jungen hier bei uns hätten und dann bin ich traurig.


Ja, alles ist anders geworden und es wird auch nie wieder so werden, wie es einmal war. Ich wünschte mir sehr, die Uhr zurückdrehen zu können. Ich wünschte mir sehr, Laurenz bei mir zu haben. Ich würde wirklich vieles dafür geben. Es hat mich verändert und geprägt.
Aber ich kann damit leben.

Danke für deine Gedanken, die mich so nachdenklich gemacht haben und die mir doch auch so vertraut sind.

Herzliche Grüße von
Jutta mit Milena, Stephanie und Rafael in meinen Armen und Laurenz für immer in meinem Herzen.


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Margret
Mit dabei seit 23-Jun-06
25-Okt-06, 14:14 Uhr (MEZ)
eMail senden Margret Private Nachricht senden an Margret User ProfilFreundesliste  
23. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
   Ihr Lieben,
ich danke euch sehr für dieses Posting.
Momentan geht es mir ungemein schlecht. Ich vermisse mein Baby so sehr und hoffe gleichzeitig auf ein zweites Baby.
Für mein Umfeld ist alles wieder gut. Ich funktioniere, gehe arbeiten, mache meinen Job, es wird nicht mehr gefragt, wie es mir geht. Nur ein lieber Freund, macht es anders, aber er ist auch in gewisser Art und Weise betroffen – er kann leider keine Kinder bekommen und ist sehr sensibel für das Thema.
Ich kann meine Freude, als der SS-Test positiv war, kaum in Worte fassen. Mein größter Wunsch ging in Erfüllung. Alles in meinem Leben war super, hat gepasst und ich konnte planen und bestimmen, wie was werden sollte.
Jeden Monat der Schwangerschaft habe ich genossen und gelebt. Dann kam das Unfassbare…. Ich kann mich noch an alles genau erinnern, der Gesichtsausdruck meines Arztes und meines Mannes, die grausamen Worte, meine Hilflosigkeit,…
Das alles ist jetzt 6 Monate her und ich komme immer noch nicht damit klar.
Vieles hat sich in meinem Leben dadurch verändert.
Meine Familie und meine Freunde/innen waren eine große Stütze für mich. Ich habe zu schätzen gelernt, dass es nicht selbstverständlich ist, ein so tolles Umfeld zu haben. Mein Mann und ich sind uns dadurch noch näher gekommen. Ohne ihn wäre ich in der Klapse gelandet. Aber ich habe auch negativ Erfahrungen mit Freundinnen gemacht, die ich so nicht erwartet hätte und die mich sehr getroffen haben.
Geändert hat sich vieles. Meine Prioritäten haben sich verschoben. Mein Job ist nur ein Job – es gibt viel Wichtigeres im Leben.
Ich weiß jetzt, dass ich nicht alles in der Hand habe und planen kann, sondern dass ich Geduld haben muss und warten ……..aber das gehört immer noch nicht zu meinen Stärken.
Meine Freunde/innen und meine Familie sind mir unendlich wichtig. Und das ist auch das Problem zurzeit. Denn alle meine Freundinnen (so jedenfalls empfinde ich es) planen schwanger zu werden oder sind es bereits. Ich bin nicht in der Lage mit meiner schwangeren Freundin zu telefonieren, obwohl sie mir so wichtig ist, aber ich bringe es nicht fertig, ich bin so neidisch und verletzt…Diese Seite an mir hasse ich. Ich hoffe so sehr, dass sie mir nicht böse ist und unsere Freundschaft diese Monate übersteht. Aber ich glaube auch fest daran, dass es so sein wird.
Ich wünsche mir so sehr ein Folgebaby, nicht um meinen geliebten Engel zu ersetzten, das geht nicht, er ist einzigartig, und wird immer einen Platz in meinem Herzen haben und geliebt werden…
Dieser Wunsch bestimmt so sehr mein Leben, dass es weh tut. Jetzt ist mein Körper wohl noch nicht so weit. Ich habe das Gefühl die Zeit bleibt stehen und es passiert nichts. Ich habe mir in meinem Leben nichts so sehr gewünscht, wie Kinder zu bekommen, sie aufwachsen zu sehen, lachen und weinen….
Ihr schreibt, dass der Schmerz nach einem Folgebaby nicht aufhört, sondern anders wird. Das glaube ich. Aber dennoch glaube ich, dass ein Folgebaby mir wieder Leben einhauchen kann – mir ein Lebensziel geben kann – eine Aufgabe, die es zu bewältigen gibt, mit allen Ängsten und Freunden. Ich möchte wieder fühlen können, und mich wieder spüren.
Von Tag zu Tag werden der Schmerz und die Trauer schlimmer, ich fühle mich so eingeschränkt und gehemmt.
Ich weiß nicht, was ich ohne die Seiten der Muschel machen würde. . . Ihr gebt mir Kraft.
Ich danke euch allen von Herzen dafür, dass ihr da seid und zuhört und versteht. Denn nur, wenn man selbst das Unfassbare erlebt hat, kann man richtig verstehen.

Traurige Grüße
Margret

Margret
mit meinem *kleinen Engel* im Herzen


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Anke
Mit dabei seit 14-Okt-06
25-Okt-06, 21:26 Uhr (MEZ)
eMail senden Anke Private Nachricht senden an Anke User ProfilFreundesliste  
24. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
   Hallo ihr Lieben,

bei mir ist die Trauer noch sehr frisch, vor zwei Wochen war mein Leben noch perfekt und jetzt sage ich mir jeden Tag: Halte durch, denk nicht daran, dass alles kaputt ist.

Ich denke, dass es verschiedene Phasen gibt, die man durchläuft.
Ich habe zumindest innerhalb der letzten 2 Wochen schon dutzende bei mir erlebt. Zuerst war ich traurig aber irgendwie auch voller Tatendrang mich nicht unterkriegen zu lassen und ich wollte allen davon erzählen. Da wußte ich noch nicht, dass nicht viele zuhören wollen und wahrscheinlich war bei mir noch ar nicht richtig angekommen, was passiert ist.
Danach kam das große schwarze Loch, ich habe zwei Tage im Bett verbracht und gar nichts gemacht, noch nicht mal geweint. Nicht mit meinem Mann gesprochen, und ihn damit ziemlich verletzt, nicht um meine Tochter gekümmert, die bitterlich geweint hat. Nichts.
Dann kam die Wut, ich bin bei Kleinigkeiten aus der Haut gefahren, habe Türen geknallt und rumgeschrien.

Als ich dein Posting gelesen habe, fand ich es wunderschön, aber ich habe gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin. Im Moment verdränge ich gut, ich gebe jeden Tag unmengen von Geld aus, kaufe Hannah alles was sie möchte, als müsste ich etwas an uns wieder gut machen, manchmal ist da noch ganz viel Wut, auch auf Leute, die eigentlich keine Wut verdient haben, die einfach weiter machen, weil mein Baby ihr Leben nur kurz gestriffen hat. Und dann kommt der Schmerz, wenn eure Beiträge lese, sitze ich hier vor dem Computer und weine, aber im großen und ganzen lasse ich die Sache (noch) nicht so weit an mich heran, dass ich so viel wie ihr daraus für mein Leben ziehen kann. Aber ich arbeite daran und denke, dass auch die momentane Phase vorbei gehen wird.

Was ich aber aus vollstem Herzen fühle, ist, dass die Unbeschwertheit vorbei ist. Diese Sätze von dir:
(Ja, und ich könnte wohl noch 10 mal folgeschwanger werden
und trotzdem wäre da nicht wieder dieses euphorische, zuversichtliche
Gefühl, dass ich in meiner allerersten Schwangerschaft hatte.
Dieser ganz besondere Zauber ist durch meine Sternenkinder
ein für alle Male gebrochen .)

haben mich im Moment am meisten berührt, weil ich auch darum trauere; um die Freude und Unbeschwertheit, vielleicht wieder Schwanger zu werden.

Liebe Grüße
Anke (heute Abend wieder traurig)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
alexnerb
Mit dabei seit 28-Apr-06
27-Okt-06, 11:37 Uhr (MEZ)
eMail senden alexnerb Private Nachricht senden an alexnerb User ProfilFreundesliste  
25. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg auch anhäng"
 
 
   Hallo ihr Liebn,

lang war ich nicht mehr da. Und dennoch könnte es nicht besser passe.
Trauerweg und Trauerarbeit, Folgeschwangerschaft oder nicht.
Meine Veronika ist im April gestorben und für mich war bald klar, ich möchte wieder ein Kind. Nicht, um zu vergessen, nicht um zu ersetzen. Nein, ich fühle mich einfach nicht vollständig. Ich kann es nicht beschreiben. Der Gedanke daran, nie mehr ein Kind zu bekommen, frißt mich auf.
Mein Mann will kein Kind mehr. Er will all das nicht noch einmal erleben und für ihn ist alles stimmig und glücklich so, wie es ist.
Für mich? Für mich eben nicht. Ich liebe meinen Mann und meine Kinder sehr und dennoch fehlt etwas.
Ich kann es nicht in Worte fassen. Ich weiß nur, dass aus aktuellem Anlaß, auf den ich nicht näher eingehen kann gerade (mir fehlt die Kraft), dieses Problem für meine Familie das AUS bedeuten könnte. Kind ja oder nein. Mein Wunsch oder der meines Mannes?

Meine Veronika ist tot, das ist endgültig und ein Wiedersehen hier bei uns wird es nicht geben. Das weiß ich.

Kann mich jemand von Euch verstehen? Kann eine solche Ehe eine Zukunft haben, in der die Wünsche so auseinandergehen? Ich liebe meinen Mann über alles und ich will ihn nicht verlieren. Ich kenne seine Angst. Aber was ist mit mir, mit meinen Wünschen?

Ich bin soi verzweifelt gerade.

Grüße
Alexandra


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
conni70
Mit dabei seit 15-Jan-06
28-Okt-06, 21:24 Uhr (MEZ)
eMail senden conni70 Private Nachricht senden an conni70 User ProfilFreundesliste  
26. "Gedanken zu Kinderwunsch"
 
 
   Hallo Alexandra!

Deine Worte machen mich sehr nachdenklich. Es ist schwer als Außenstehender etwas dazu zu sagen. Ich könnte mich auch nicht damit abfinden, kein Kind mehr zu bekommen. Glücklicherweise ist mein Mann meiner Meinung. Wenn ich mir vorstelle, er wäre anderer Meinung... ich wüßte nicht wie es weiter gehen sollte. Ich würde alles mögliche versuchen ihn umzustimmen. Er muss auch deine Wünsche respektieren, da hast du recht. Weiß er, wie wichtig dir dein Wunsch ist? Ich wünsche dir, dass ihr einen gemeinsamen Weg findet.

Liebe Grüße von Constanze mit Helena (22.12.2001) ganz fest an der Hand und Hagen (*24.10.2005) für immer im Herzen


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Conniadmin
Mit dabei seit 1-Dez-02
06-Jan-07, 15:05 Uhr (MEZ)
eMail senden Conni Private Nachricht senden an Conni User ProfilFreundesliste  
27. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
*hochschieb*

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mailto:conni@muschel.net
http://www.muschel.net/
http://www.kleine-geburten.de/

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 
Michaela
Mit dabei seit 29-Dez-06
06-Jan-07, 21:36 Uhr (MEZ)
eMail senden Michaela Private Nachricht senden an Michaela User ProfilFreundesliste  
28. "RE: Gedanken zu Trauerarbeit und Trauerweg"
 
 
   Jedes Wort ist wahr.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Du hast wunderbare Worte gefunden, genau das aufzuschreiben, was auch meine Erfahrung ist.

Liebe Grüße
Michaela mit xi im Herzen, Felix, Tim und Nils hier bei mir


  Alarm | IP Druck-Version | Bearbeiten | Antworten | Mit Zitat antworten | nach oben

 

Foren-Gruppen | Beiträge | Vorheriger Beitrag | Nächster Beitrag

 

Powered by DCForum V6.2 ©1997-2001 by DCScripts. All rights reserved.